Junge weiße Frau, na und?

Manchmal fühle ich mich als Querdenker. Schon, weil ich nicht die weibliche Form für dieses Wort benutze. Das soll machen, wer will. Ich will lieber frei sein.

Von Hannah Klotz

Ich bin eine weiße junge Frau, und ich bin konservativ. Ich will nicht dauernd gendern oder ständig woke sein. Das soll machen, wer will. Ich möchte damit nur nicht belästigt werden. Ich sag ja auch Fremden nicht, wie sie sich verhalten sollen. Ich mag nicht belehrt werden, was ich denken, sagen, tun soll. Ich bin frei – na und!

Ich finde, der Wahnsinn treibt inzwischen Blüten. Ich wollte mit einer Freundin in eine Bar gehen – in Berlin-Kreuzberg, dem hippen und toleranten Kiez im alten Westen. Die Türsteherin spricht uns an: „Seid ihr queer, seid ihr lesbisch? Sonst kommt ihr hier nicht rein.“ Bevor ich sagen konnte, ich komme aus Thüringen und habe die Welt bereist, ich verstehe mich mit allen, aber bin selber stinknormal, hatte sie die Tür zugeschlagen. Ich sagte zu meiner Freundin: „Das also ist die Weltcity der Toleranz.“

Ich möchte Klartext sprechen, wenn ich es für richtig halte. Und wie es bei der WMP, für die ich arbeite, erwartet wird. „Wir alle haben eines gemeinsam – die Liebe zu klarer Sprache“, heißt es in unserer Präambel. 

Was mich besonders ärgert: Wenn man dem Zeitgeist nicht zwingend folgen mag, wird man oft als rechts oder gar als AfD-Freund abqualifiziert. Ich habe mit der AfD so viel zu tun wie Island mit der Sahara. Wenn ich den Satz höre: „Darf man das heute eigentlich noch sagen?“, gehe ich an die Decke. 

Ich bin ein moderner Mensch. Ich bin natürlich für Gleichberechtigung, ich wünsche, dass niemand wegen seiner Hautfarbe unterdrückt wird. Ich glaube an das Gleichheitsprinzip bei Männern und Frauen, wozu auch gleiche Bezahlung gehört.

Ich glaube aber auch, dass unsere Freiheit ein wichtiges Gut, vielleicht das wichtigste Gut ist, das wir haben. Und zur Freiheit gehört auch, des anderen Religion, sexuelle Ausrichtung und politische Meinung zu akzeptieren. Oder wie Immanuel Kant schrieb: „Die Freiheit des einzelnen endet dort, wo die Freiheit des anderen beginnt“.