Weihnachten, ein revolutionäres Geschenk

Der große Oldenburger Existenzphilosoph Karl Jaspers hat Jesus Christus zu den bedeutendsten Philosophen gezählt. Gerne würde ich darüber noch hinaus gehen und sagen: Er war und ist ein Revolutionär.

Seine zentrale Botschaft der Menschenliebe, der Mitmenschlichkeit und ganz besonders seine Gabe, selbst im Feind noch den Nächsten zu sehen, überforderte die römischen Statthalter damals vollends. Der junge Revolutionär, der so viel Gutes wollte, startete eine große Bewegung und stieß mit seiner rasant steigenden Popularität bei den eifersüchtigen Machthabern auf große Ablehnung. Am Ende stellte sich die Machtfrage. Und in der Beantwortung dieser wurde „Gottes Sohn“, wie ihn später die Bibel bezeichnete, bestialisch ermordet. Wie wir lange wissen, konnte das seiner weltweiten Popularität bis heute keinen Abbruch tun.

Gerade in der heutigen „Zeit des Aufruhrs“, wie es der Historiker Herfried Münkler in seiner neuen Analyse einer kommenden Weltordnung schreibt, wird es wieder zu einer verstärkten, wenn auch unterschiedlichen „Wertegemeinschaft“ kommen. Und in seinen beschriebene zukünftigen fünf Machtzentren Amerika, Russland, China, Indien und eben Europa werden das sehr unterschiedliche Ausrichtungen des sinnhaften Lebens sein.

 In diesen Tagen der weihnachtlichen Ruhe, des „nach Hause Kommens“ und des „Innehaltens“, ist es wichtig, in der Stille ganz bei sich selbst zu sein. Denn dann überdenken wir wahrscheinlich alle die fortwährende Unruhe in diesem zu Ende gehenden Jahr, die zunehmenden Aggressionen, die lauter werdende Hetze in den sozialen Medien und die Kriege, wenn auch diese in der Ferne. Daher: Wir sollten in Westeuropa gerade in diesen unsicheren Zeiten, in denen selbst die eigene Regierung wankt und überfordert scheint, die Dimension der Dankbarkeit spüren. Dankbar dafür, dass wir immer noch in Frieden leben dürfen, und das in einem Wohlfahrtsstaat, der ein Rundum-Kümmerer zu sein scheint. Wir haben es nicht schlecht gehabt, und wir müssen uns sehr anstrengen, wenn es so bleiben soll.

Aus allen diesen Gründen ist die Botschaft der Nächstenliebe selbst heute noch revolutionär. Weil aktueller denn je. Weil sie fast vergessen scheint. Weil, würde sie wirklich gelebt werden, die Welt einen Weg zum Frieden finden könnte. Diese Botschaft mag angesichts der aktuellen Weltlage vermessen klingen, aber sie ist als Möglichkeit da. Die weihnachtlichen Tage können, wenn wir es wirklich wollen, in diesem Sinne zur tiefen Besinnung dienen.

Die WMP wünscht allen Lesern frohe Tage im Kreise Ihrer Familien!

Dr. Immo von Fallois
CEO WMP EuroCom AG