WMP Corona-Newsletter | 27. März 2020

Wir möchten Sie auch heute wieder über die Entwicklungen in der Corona-Krise mit Informationen auf dem Laufenden halten, die nützlich und für Sie vielleicht nicht immer offen zugänglich sind. Dazu nutzen wir unsere Netzwerke in Politik, Wirtschaft und Medien. Die folgenden Informationen stammen entweder direkt aus staatlichen Quellen des Bundes oder der Länder, supranationalen Institutionen (z.B. EU-KOM, ESM, EZB o.ä.) oder von seriösen Thinktanks der politischen Beratung sowie auch von direkten persönlichen Kontakten im politischen, wissenschaftlichen und medialen Netzwerk der WMP.

 

  1. Wer soll über Leben und Tod entscheiden?

Der Staat darf „menschliches Leben nicht bewerten und deshalb auch nicht vorschreiben, welches Leben in einer Konfliktsituation zu retten ist“, mahnt die Deutsche Ethikkommission. Die Verantwortung, in solchen „dilemmatischen Situationen katastrophaler Knappheit medizinischer Ressourcen über Leben und Tod zu entscheiden, sollte aber auch keinesfalls allein den einzelnen Ärztinnen und Ärzten aufgebürdet“ werden. „Wenn zu wenig Beatmungsplätze da sind, dürfen nur medizinische Kriterien zählen“, sagt der Kommissions-Vorsitzende Peter Dabrock. „Niemand darf vom Staat eine Norm oder Billigung erwarten, dass Patienten mit ungünstiger Prognose von der Beatmung genommen werden.“ Vielmehr seien Vorgaben der sieben Fachgesellschaften maßgeblich, wie unabhängig von sozialem Status, Herkunft, Alter oder Behinderung des Patienten zu entscheiden sei. Ein interessanter Zwischenruf zu einer sehr heiklen Frage, die sich schon bald stellen könnte. Stichwort: Triage, also eine Einteilung nach der Schwere der Krankheit und eine daraus sich ergebende Bewertung, wem zuerst geholfen werden soll. Hier entlang.

 

  1. USA werden das neue Epizentrum sein

Die international renommierte Pictet-Gruppe, die sich bei Vermögensverwaltung und nachhaltigem wie langfristigem Strategiedenken einen Namen gemacht hat, hält sehr hilfreiche Daten zur globalen Lage auch in der Coronakrise bereit. Prognose: Die USA werden sich zum neuen Epizentrum entwickeln mit gegenwärtig noch nicht zu kalkulierenden Risiken für die Weltwirtschaft. Hier der Bericht.

 

  1. Wie Corona die Staatsfinanzen infiziert

Die Bekämpfung des Coronavirus könnte die Staatsschulden im Euroraum ähnlich steigen lassen wie nach der Finanzkrise. Aber mangels wirksamer Schuldenbremsen dürften sie nach dem Ende der Epidemie in den meisten Ländern nicht nennenswert zurückgehen, meint der Chefvolkswirt der Commerzbank Jörg Krämer. Was das für die Währungsunion und die EZB bedeutet, schreibt er in seiner Analyse, die Sie hier finden.

 

  1. Italien ist sauer auf europäische Partner

Von schönen Worten könne man sich nichts kaufen, ereiferte sich der italienische Außenminister Luigi Di Maio. Loyalität habe für Italien eine große Bedeutung und er erwarte, dass Europa seinen Teil dazu beitrage. Italien hatte im Vorfeld des EU-Krisengipfels zusammen mit acht weiteren EU-Mitgliedsstaaten Corona-Bonds gefordert, also gemeinsame Anleihen der Eurostaaten. Das lehnen Deutschland, Österreich und andere Nettozahler strikt ab, weil solche Anleihen an keinerlei Bedingungen geknüpft seien. Sie wollen nicht für eine hemmungslose Schuldenparty geradestehen. Ergo waren solche Corona-Bonds beim Europäischen Rat auch kein Thema. Die Gemeinsame Erklärung des Rates finden Sie hier.

 

  1. Schweden doch auf dem Holzweg?

Vor einigen Tagen wiesen wir hier darauf hin, dass Schweden einen anderen Weg im Kampf gegen das Coronavirus eingeschlagen hat als der Rest der Welt: Offene Schulen, offene Restaurants, offene Skilifte, erlaubte Versammlungen und Partys bis zu 500 Menschen. Angesichts 2800 bestätigter Infektionsfälle und 66 an Corona verstorbenen Menschen besinnt sich die Regierung nun aber offenbar eines Besseren: Zusammenkünfte mit mehr als 50 Teilnehmern werden nunmehr ab Sonntag verboten, gab Ministerpräsident Stefan Löfven zu Protokoll. Kindergärten und Grundschulen bis zur neunten Klasse bleiben aber weiterhin offen. Ebenso wie Restaurants, Kneipen und Cafés. Nun ja…

 

  1. Schaulaufen der Hilfspakete

So dynamisch der Einbruch von Wirtschaft und Börsen ist, so dynamisch scheinen sich die Hilfspakete durch Staaten und Zentralbanken gegenseitig überbieten zu wollen. DWS, einer der weltweit führenden Vermögensverwalter, mahnt zur Vorsicht: Die Spendierfreude könnte langfristige Spuren hinterlassen und beim Tempo, mit dem Hilfspakete derzeit durch die Parlamente der freien Welt geboxt werden, seien handwerkliche Fehler nicht auszuschließen. Durchhaltervermögen, Geduld und fundierte Einschätzungen der Risiken seien gefragt. Panik hingegen ist nie ein guter Ratgeber. Die Übersicht finden Sie hier.

 

  1. „Die Politik ist bei Corona schlecht beraten“

„Die Reaktion der Politik ist unverhältnismäßig, sie ist autoritär, sie ist rechthaberisch, sie ist maßlos“, sagt Prof. Dr. Stefan Hockertz und stellt sich damit gegen die täglichen Verlautbarungen der maßgeblichen Virologen und Gesundheitspolitiker. Er ist Immuntoxikologe an der Uni-Klinik Hamburg. Nicht das Virus mache uns krank, sondern die Angst vor ihm, sagt er. Man sollte ihm einmal zuhören, und zwar hier.